Hund vor dem Hundesport aufwärmen – So geht’s!

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Sollte ich meinen Hund vor dem Hundesport aufwärmen? Während die Aufwärmübungen vor dem Sport für die meisten Menschen zum Standardrepertoire gehören, werden entsprechende Maßnahmen beim Hundesport häufig vergessen. Hier erfährst du, warum du deinen Hund beim Hundesport aufwärmen und wie du dabei vorgehen solltest.

Hund aufwärmen – wie und wieso?

Unter einem Aufwärmprogramm ist ein leichtes, kurzes und klar gegliedertes Bewegungs- und Stretch-Programm zu verstehen, welches in unterschiedliche Sequenzen eingeteilt wird.

Aufwärmübungen werden beim Agility, Mantrailing oder anderen Hundesportarten eingesetzt, um sowohl den Körper als auch den Geist des Hundes auf die bevorstehende sportliche Aktivität vorzubereiten und Verletzungen vorzubeugen.

Warum ein Warm Up beim Hund so wichtig ist

In vielen Hundesportvereinen wird die Notwendigkeit eines gezielten Warm Ups beim Hund nach wie vor nicht ernst genug genommen. Dies beweist allein die Tatsache, dass den Teilnehmern bei den meisten Hundesportveranstaltungen kein geeigneter Bereich zur Verfügung gestellt wird.

Warum dies so ist, lässt sich nur schwer nachvollziehen. Schließlich ist das Aufwärmen nicht nur aus physiologischer Sicht sinnvoll, sondern lässt sich beispielsweise auch bei Wölfen beobachten, die sich scheinbar instinktiv aufwärmen, bevor sie auf die Jagd gehen.

Während der Jagd werden Wölfe mental und körperlich stark gefordert. Lange Strecken bei mittlerer Geschwindigkeit, das Heranpirschen an die Beute, enge Wendungen, extreme Sprints sowie der Kampf mit dem Beutetier verlangen dem Körper einiges ab.

Wissenschaftler fanden heraus, dass Wölfe sich keineswegs unvorbereitet auf die Jagd begeben. Das Gegenteil ist der Fall. Im Rahmen ihres instinktiv ablaufenden Aufwärmprogramms stehen die Wölfe langsam auf, schütteln sich, strecken sich mehrmals und steigern dann nach und nach ihr Tempo. So sind sie voll leistungsfähig, wenn es im entscheidenden Moment darauf ankommt und verringern ihr Verletzungsrisiko.

Diese Vorteile hat ein gut durchdachtes Aufwärmprogramm vor dem Hundesport:

  • Vermeidet Unfälle
  • Beugt Verletzungen vor
  • Wirkt motivierend
  • Erhöht die maximale Leistungsfähigkeit
  • Steigert die Konzentrationsfähigkeit
  • Vorbeugung von gesundheitlichen Konsequenzen durch Überbeanspruchung

So funktioniert aufwärmen nicht

Auf diversen Hundeplätzen verwechselt man das Aufwärmprogramm scheinbar mit Auspowern. Nicht selten werden die Hunde hierzu im Rahmen einer unkontrollierten Tobe-Runde von der Leine gelassen. Ziel dieser unüberlegten Maßnahme ist es, dass die Hunde ihre überschüssige Energie loswerden sollen, damit sie sich bei den nachfolgenden Übungen besser kontrollieren lassen.

Das solche vermeintlichen Aufwärmübungen allerdings eher kontraproduktiv sind, stört dabei scheinbar die wenigsten. Du solltest dir allerdings darüber im Klaren sein, dass diese unkontrollierte Form des „Aufwärmens“ die Gefahr birgt, dass es zu Zerrung oder Stauchungen kommt. Außerdem sind die Hunde anschließend häufig schon zu erschöpft für das Training an sich.

Darüber hinaus bleibt die mentale Vorbereitung der Hunde auf den Hundesport in der Regel komplett auf der Strecke. Die Hunde werden durch das Toben eher aufgeheizt als konzentriert.

Andere Hundehalter hingegen nehmen das Aufwärmen durchaus ernst, denken allerdings, dass ihr Vierbeiner schon durch eine kurze Runde um den Hundeplatz ausreichend aufgewärmt ist.

Dies ist allerdings ein weiterer Trugschluss! Ein Spaziergang vor dem Training ist zwar durchaus empfehlenswert, damit dein Hund sein Geschäft erledigen kann, aufgewärmt  wird er dadurch jedoch nicht.

In diesen Fällen ist Aufwärmen besonders wichtig

Grundsätzlich solltest du deinen Hund auf jeden Fall vor dem Hundesport aufwärmen. Dabei gilt: Je schwieriger und anstrengender die kommende Aufgabe ist, desto intensiver sollte auch das Aufwärmtraining gestaltet werden.

In diesen Situationen ist es besonders wichtig ein Warm Up beim Hund durchzuführen

  • Hundesenioren: Ältere Hunde brauchen meist etwas länger, um warmzuwerden und sind häufig ein wenig steifer als junge Hunde. Zudem solltest du bei einem älteren Hund verstärkt auf eine intensive Verletzungsprophylaxe achten.
  • Einsteiger: Hunde, die erst seit kurzem im Hundesport aktiv sind oder nach einer Pause wieder anfangen, brauchen für das Aufwärmtraining etwas mehr Zeit. Mit steigendem Trainingszustand reduziert sich Verletzungsgefahr und der Körper ist schneller in der Lage, sich auf eine sportliche Leistung vorzubereiten.
  • Während der kalten Jahreszeit: Wenn die Außentemperaturen sinken, benötigt dein Hund sehr lange, um seine Körpertemperatur zu erhöhen. Pausen während des Trainings sollten während dieser Zeit, wenn möglich vermieden werden, da die Effekte des Warm Ups schnell wieder nachlassen.
  • Hunde mit Vorerkrankungen: Kranke Hunde, die unter HD, ED oder anderen Erkrankungen leiden solltest du besonders gründlich aufwärmen. Über geeignete Warm-Up-Übungen für deinen Vierbeiner solltest du dich von einem Hundephysiotherapeuten beraten lassen.

Diese Auswirkungen hat das Aufwärmen auf deinen Hund

Der Organismus eines gesunden Hundes arbeitet in der Regel höchst effizient. Während des Ruhezustands leistet der Körper nur das, was zur Lebenserhaltung notwendig ist. Fordern wir ihm jedoch beim Hundesport oder ähnlich anstrengenden Aktivitäten mehr ab, setzt der Körper gewisse Prozesse in Gang, die den Hund bestmöglich auf die bevorstehende Aufgabe vorbereiten sollen.

Folgende Prozesse werden durch das Warm Up in Gang gesetzt:

  • Herzfrequenz und Körpertemperatur werden hochgefahren.
  • Das Herz-Kreislaufsystem wird angeregt, dadurch bleibt der Kreislauf stabil und die Ausdauer steigt.
  • Muskeln, Sehnen und Bänder werden besser durchblutet und dadurch optimal mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.
  • Durch das Aufwärmen vor dem Hundesport werden Bänder und Sehnen geschmeidiger, elastischer und somit auch widerstandsfähiger.

Muskelfaser-, Bänder- und Sehnenrissen sowie die damit verbundenen Tierarztkosten kannst du so einfach vorbeugen. Zudem können die Muskeln durch das Aufwärmprogramm schneller angespannt und wieder entspannt werden, was den Hund wiederum schneller und wendiger macht.

Außerdem stimuliert gezieltes Aufwärmtraining beim Hund die Nerven. Dies hat einen positiven Effekt auf die Konzentrationsfähigkeit sowie die Koordination.

Beispiel für ein allgemeines Aufwärmprogramm

1. Schritt: Erst langsames laufen, dann gemächliches Traben an der Leine. Anschließend empfehlen wir ein Intervalltraining mit kurzen Zwischensprints.

2. Schritt: Beginne nun deinen Hund zu stretchen. Hierzu eignen sich unter anderem folgende Übungen:

  • Strecken
  • Gemeinsames Zerrgeln mit einem Beißspielzeug
  • Männchen-Machen
  • 360 Grad Drehungen um die eigene Achse
  • Pfötchen geben (links und rechts)
  • Lasse deinen Hund in einem Kreis um dich herumlaufen
  • Slalom laufen durch einen Hütchen-Parcours
  • Animiere deinen Hund dazu, sich auf die Hinterbeine zu stellen und an einem Baum abzustützen
  • Bringen seinen Vierbeiner vom Steh ins Sitz und anschließend ins Platz. Wiederhole dies einige Male

Beispiel für ein etwa fünfminütiges, spezifisches Aufwärmprogramm

3. Schritt: Dieser Schritt sollte leichte Übungselemente enthalten, welche den Hund auch bei der kommenden sportlichen Aktivität erwarten. Folgende Übungen kannst du in diesen Abschnitt des Aufwärmprogramms einbauen:

  • Erst weite, dann immer enger werdende Wendungen
  • Langsames Laufen über niedrige Hindernisse
  • Slalomlaufen
  • Schnelle, aber kurze Sprints
  • Kurze Stopps und Geschwindigkeitswechsel

Diese Aufwärm-Fehler beim Warm Up solltest du vermeiden

Beim Warm Up ihres Vierbeiners machen viele Hundehalter Fehler. Folgende Fehler gehören zu den häufigsten:

Falscher Zeitpunkt

Für den bestmöglichen Effekt sollte das Aufwärmen so kurz vor dem Hundesport wie möglich stattfinden. Während der üblichen Trainingseinheiten bei Wettkämpfen werden die Teams nacheinander aufgerufen. Aufgrund dessen solltest du das Aufwärm-Training kurz vor dem eigenen Lauf absolvieren und nicht bereits am Anfang des gemeinsamen Trainings.

Zu lange Pausen

Während des Trainings liegen häufig längere Wartezeiten zwischen den Läufen. Als Faustregel gilt, dass du deinen Vierbeiner nach einer 10-minütigen Wartezeit erneut aufwärmen solltest.

Zu intensives oder langes Aufwärmen

Verwechsle das Aufwärmen nicht mit einem sportlichen Wettkampf. Ein gutes Warm-Up beinhaltet lediglich leichte Übungseinheiten, bei denen der Hund nicht zu stark gefordert ist. Idealerweise geht eine Warm-Up Einheit nicht länger als 10-15 Minuten.

Unpassendes Warm Up

Ein gutes Aufwärmprogramm sollte sich immer aus einem allgemeinen Teil sowie einem speziellen Teil zusammensetzen. Das bedeutet, dass du deinen Hund auf einen Agility-Parcours mit anderen Übungen vorbereiten solltest als beispielsweise auf einen Canicross-Lauf.

Individuelles Aufwärmprogramm

Ein Zielführendes Aufwärmen sollte sich unter anderem nach dem individuellen Trainingszustand deines Hundes richten. Außerdem spielen das Alter sowie eventuell bestehende Vorerkrankungen eine Rolle. Darüber hinaus ist es empfehlenswert auch äußerliche Faktoren wie die Außentemperatur zu berücksichtigen.